Africa Representa

Dokumentarfilm, 76 Minuten, A 2003.

africa-representa

Kamera: Bernhard Pötscher, Jerzy Palacz
Musik: Thierry Zaboitzeff
Schnitt: Harald Friedl, Bernhard Pötscher
Stimme (deutsche Fassung): Herbert Föttinger
Stimme (englische Fassung): Dennis Kozeluh
Buch und Regie: Harald Friedl
Heimkehrer aus der Diaspora: Sidede Onyulo

Formate: Beta SP, Digi Beta, DVD (eventuell auch Film)
Deutsch / Suahili / Massai mit deutschen Untertiteln
Englisch / Suahili / Massai mit englischen Untertiteln

„Africa Representa” ist eine Reise jenseits gängiger Klischees. Eine Konfrontation mit der Fremde aus der Sicht eines fiktiven Heimkehrers aus der afrikanischen Diaspora (dargestellt von Sidede Onyulo), der die Landschaft seiner Kindheit besucht. Der Film verläuft wie eine Reise zwischen Tradition und Moderne, zwischen Großstadt und Lehmhüttendorf.
„Africa Representa“ ist eine Suche nach Identität in den Kontrasten eines Landstriches in Zentral-Tansania, der exemplarisch für Sub-Sahara-Afrika steht.

Der Film erzählt von der Sehnsucht der Menschen nach einem anderen Leben. Einen jungen Schildermaler bedrückt die Rechtlosigkeit, deretwegen er seinen Besitz aufgeben und von zu Hause fliehen mußte.

Ein Kleiderhändler durchlebt, wie ausgeliefert sich die Menschen im Wohnviertel fühlen. Nebenan zeigt sich das archaische Afrika: Viehhirten, die das Innere eines Autos bestaunen oder ein alter Njaturu Häuptling, der sich fest der Welt der Magie verbunden fühlt.

Und dazwischen immer wieder, gleichsam als Leitmotiv, die Arbeiten im Steinbruch. Die imposanten, urtümlichen Felsen werden durch Feuer und Hammerschläge gesprengt und immer weiter zerkleinert.

Im Verlauf des Films verstärkt sich die Durchdringung Afrikas durch europäische Kultur: Eine Mutter zeigt ihren Stolz auf Plastikblumen und einen kleinen Fernsehapparat, der ihr als überragendes Bildungsmedium erscheint. Zwei junge Rapper singen auf den Straßen der Stadt von ihren Problemen in der Gesellschaft und repräsentieren die MTV-Kultur. Sie bezeichnen sich selbst als „Africa Representa“.

In all diesen Begegnungen verfährt die Kamera dezent und zurückhaltend, der Blick auf das Leben der Menschen ist der eines interessierten Besuchers, nicht der eines Eindringlings. Die Rolle des Reisenden beschränkt sich darauf, seine Suche zu reflektieren. Sein innerer Monolog hat die Form tagebuchartiger, poetischer Miniaturen, die sich mit seiner Position in der Fremde auseinandersetzen. Seine Betrachtungen oszillieren zwischen Außensicht und Innensicht, zwischen Sehnsucht und Mythos, zwischen Sehen und Gesehenwerden.

Eine Prostituierte und ein Lahmer tanzen um ihren Lebensunterhalt. Junge, muslimische Frauen verzweifeln an ihrer untergeordneten Rolle in der Gesellschaft … Junge Massaikrieger ziehen vom Dorf in die Stadt. Da sie ihre „alten Maschinen“, die Rinder, durch eine Seuche verloren haben, erlernen sie die Handhabung der neuen Maschinen. Sie besuchen Computerkurse.

Der Film hat die Intimität und Bestimmtheit eines persönlichen Essays. Auch Humor, etwa wenn der innere Monolog die Parabel vom Moskitos, der das Ohr eines Menschen heiraten wollte, erzählt. Oder wenn eine Brassband eine afrikanische Ode an die Freude spielt. Obwohl die Suche nach Verstehen an die Grenzen des Möglichen stößt, „denn das Leben erfassen zu wollen, ist wie ein Blick in die Sonne: Viel zu viel Licht fällt in die suchenden Augen“, findet der Film doch kein melancholisches Ende, sondern verabschiedet sich mit einem kleinen Spiel der Lebendigkeit und dem Verweis auf eine sich selbst vertrauende Energie der jungen Afrikaner.

Der Film wurde hergestellt aus Mitteln von Land Salzburg, Land Oberösterreich, bka:KUNST, Land Niederösterreich, Stadt Salzburg.