Harald Friedl: Filme

Africa Representa
Dokumentarfilm, 76 Minuten, A 2003.
Thomas Fanta in "Wiener Zeitung", 13. Mai 2004-06-30

In "Africa Representa" hat sich der österreichische Filmemacher Harald Friedl auf die Suche nach der Identität der jungen schwarzen Generation gemacht. Das Bild, das er malt, ist düster: Die Wege der Tradition sind verlassen, Arbeitsplätze sind Mangelware, Perspektiven sind kaum auszumachen, bestenfalls wird der Westen fragwürdig imitiert. Einer der jungen Leute, nach einer Art Standortbestimmung befragt, stottert nur sprachlos herum. So hier nicht vom Regisseur manipuliert wurde, ein zutiefst trauriges Selbstunwertgefühl. Africa pessimistica ...

 

Interview Sylvia Pistotnigs für "Wien Live", Mai 2004 (Auszüge)

Der Streifen "Africa Representa" ist eine Auseinandersetzung mit Menschen in Afrika – fernab exotischer Klischees.

Wien Live: Wodurch unterscheidet sich "Africa Representa" von anderen Dokumentarfilmen über Afrika und was möchten Sie mit dem Film beim Publikum erreichen?

Afrika-Filme sind oft romatisierende Safari-Geschichten oder entsprechen dem Klischee eines unterentwickelten und bemitleidenswertes Dritte-Welt-Landes. Ich möchte in meinem Film Afrikaner zeigen, die sich mit ihrem Leben und ihrer Kultur kritisch auseinandersetzen. "Africa Representa" verläuft wie eine Reise zwischen uralter Tradition und westlicher Moderne, in der die Menschen n ach ihrer eigenen Identität suchen. Es kommen zum Beispiel zwei junge Rapper vor, die auf der Straße von den gesellschaftlichen Problemen singen und die MTV-Kultur repräsentieren – oder Viehhirten, die das Innere eines Autos bestaunen. Begleitet werden die Bilder vom inneren Monog eines fiktiven Heimkehrers – eines Reisenden also – aus der afrikanischen Diaspora, der nach den verlorenen Bildern seiner Kindheit sucht.

Wien Live: Was waren die größten Schwierigkeiten während der Dreharbeiten?

Einerseits sind es Kleinigkeiten, an die man sich als Europäer erst gewöhnen muss, die Vorstellungen bezüglich Pünktlichkeit von Europäern und Menschen in Afrika gegen zum Beispiel weit auseinander. Wirklich schwierig aber war es, bis die Menschen Vertrauen in uns gesetzt haben und das Gefühl bekommen haben, sie werden ernst genommen. Viele waren verwundert, weil wir nicht die Tiere, sondern sie filmen wollten. Sie waren sehr zurückhaltend – schließlich ist auch der Umgang mit Medien völlig anders. Ein Fernseher oder eine Kamera ist nicht selbstverständlich.

Wien Live: Wie hat sich ihre Sichwweise von Afrika druch die Dreharbeiten verändert?

Ich beschäftige mich schon sehr lange mit diesem Kontinent, glaube aber erst jetzt zu verstehen, wie sehr Sklaverei, Apartheid und Rassismus die Gesellschaft verändert haben und noch immer wirken. Afrikaner fühlen sich rückständig und erleben Weiße als fortschittlich und besser.

Wien Live: Was hat der Kontinent für Zukunftsperspektiven?

Die Zukunft liegt meiner Meinung nach in der Hand von Frauen, auf deren Organisationen und Netzwerken man aufbauen kann. Allerdings darf man nicht die "europäische Hektik" an den Tag legen, denn Veränderung passiert sicher nicht in den nächsten zehn Jahren.

Wien Live: Wie haben die Leute vor Ort auf den Film reagiert.

Bis jetzt haben ihn erst zwei Personen gesehen, denen er sehr gut gefallen hat. Einer davon ist ein NGO-Mitarbeiter, der den Film der Bervölkerung vorführen will, um einen Diskussionsprozess in Gang zu bringen. Wegen der wenigen Kommunikations-einrichtungen ist das nicht so einfach.

Wien Live: Sie arbeiten bereits am nächsten Film?

Es wird ein Film über alte Wiener Läden und die Menschen, die dort bis ins hohe Alter tätig sind. Der Arbeitstitel lautet "En Detail", nach einem Fotoband von Petra Rainer zum gleichen Thema.

 

"Wenn Heimat verloren geht"
Auszüge aus einem Interview Michael Stadlers für die Regionalbeilagen "Stadtnachrichten" und "Tennegauer Nachrichten" der Salzburger Nachrichten am 16. und 17. April 2004


Zwei Jahre lang hat der Halleiner Filmemacher Harald Friedl an "Africa Representa" gearbeitet. Ab 16. 4. läuft der Streifen im Salzburger "Das Kino".

Den Salzburgern ist der gebürtige Steyrer, der seit 1990 im Halleiner Stadtteil Rif lebt, vor allem als Musiker ("Scheiblingseder", "Blaumarot") bekannt. Er selbst betrachtet die Musik jedoch eher als Hobby. Seine kreative Kraft investiert Harald Friedl in seine Arbeit als Schriftsteller und Dokumentarfilmer. Als solcher debütierte er 1990 mit einer Dokumentation über Wilderer, die der ORF in der Reihe "Österreichbild" zeigte. Es folgten die Filme "mobile stabile" (1992), "Ein Leben in diesem Jahrhundert - Wilhelm Kaufmann" (1996) und "Land ohne Eigenschaften" (2000), ein Roadmovie durch die österreichische Seelenlandschaft, das Kritik und Publikum gleichermaßen beeindruckte. Am Freitag, dem 16. April, geht um 19 Uhr im Salzburger Filmkulturzentrum "Das Kino" die Premiere von Friedls neuestem Film "Africa Representa" über die Bühne. Der 76-minütige Streifen beleuchtet die Realität des Alltags in Tansania aus der Perspektive eines (fiktiven) Afrikaners, der nach Jahren in der Fremde in seine Heimat zurückkehrt.

In Ihren bisherigen Filmen haben Sie sich in erster Linie mit österreichischen Themen beschäftigt. Warum folgt plötzlich ein Afrika-Projekt?

Friedl: Auf die Idee hat mich der Salzburger Maler Wilhelm Kaufmann gebracht, über den ich 1996 einen Film gedreht habe. Er hat stets voller Begeisterung über Singida, die tansanische Partnerstadt Salzburgs, gesprochen. Daraufhin reiste ich dorthin, um mir das Ganze einfach selbst anzuschauen. Zur Sicherheit hab ich mir gleich einen Kameramann mitgenommen.

"Africa Representa" erweckt aber nicht den Eindruck eines spontanen Projekts. Der Streifen beruht sicherlich auf einem durchdachten Konzept.

Friedl: Das stimmt. Für Recherchen und Dreharbeiten war ich vier Mal in Tansania. Und ich habe viele Bücher von afrikanischen Autoren gelesen, wobei der Schriftsteller Ben Okri für mich sehr wichtig war.

Wie lange haben Sie an "Africa Representa" gearbeitet?

Friedl: Von der ersten Idee bis zur Verwirklichung sind vier Jahre vergangen. Konzentriert war ich zwei Jahre lang mit diesem Film beschäftigt.

Ihr Film "Land ohne Eigenschaften" ist eine Suche nach dem Wesen Österreichs. "Africa Representa" kann als Suche nach dem Wesen Afrikas gesehen werden. Ist die Frage nach Identität ein Leitmotiv Ihrer Arbeit?

Friedl: Ja, das stimmt. In meinen Arbeiten spielt Identität eine zentrale Rolle - vielleicht auch deshalb, weil ich selbst ein Problem damit habe. In mir steckt eine gewisse Heimatlosigkeit, die biografisch bedingt ist.

Künstlerisch bietet Ihnen ja der Film eine Art Heimat. Gibt es bereits neue Projekte?

Friedl: Ich arbeite an einem Film, der "En Detail" heißen wird. Es geht dabei um kleine Wiener Läden, die keine Überlebenschance mehr haben und vor dem Zusperren stehen. Nicht biografische Aspekte werden im Mittelpunkt stehen, sondern die Seelen dieser Räume und die Seelen Ladenbesitzer. Die Dreharbeiten sind bereits voll im Gang.

 

FILM / Am 4. Juni kommt der in Steyr gebürtige Filmemacher
ins Kulturzentrum Akku


Friedl erforscht Afrika mit der Filmkamera

STEYR / Ein Afrikaner, der lange schon in Europa zu Hause ist, kehrt zurück in seine Heimat. Als Reisender. Als Fremder. Und sucht – befremdet – nach den verlorenen Bildern seiner Kindheit. Was er dabei – oder besser: – stattdessen zu sehen bekommt, ist der konfliktreiche Alltag seiner ehemaligen Landsleute. Ihr Kampf ums tägliche Brot. Wie sie an den alten Traditionen festhalten, an denen immer noch ein Stück Magie haftet. Und die Sehnsucht nach der neuen Welt.
Das ist die Geschichte, die der Autor, Musiker und Filmemacher Harald Friedl mit seinem neuen Film erzählt. Ein Dokumentarfilm ist es, der nicht Action zu bieten hat und schnelle Schnitte, dafür umso mehr tiefe Einblicke in den alten Kontinent und in die Herzen der Menschen. Und er versammelt jene Bilder, die tatsächlich mehr sagen als die sprichwörtlichen 1000 Worte.

Steyr, Salzburg, und hinaus in die Welt

Harald Friedl: Nach der Matura zog es den gebürtigen Steyrer erst nach Salzburg, dann aber immer auch hinaus in die Welt. „Auf Tansania hat mich der Maler Wilhelm Kaufmann gebracht", sagt der 45-Jährige im Gespräch mit der Steyrer Rundschau, „über den habe ich, wie er 95 Jahre alt war, ein Portrait gemacht. Und der hat sich lange schon in Tansania engagiert. Für die Leute dort. Dass Brunnen gebaut werden und so weiter."
Und so habe auch er, Friedl, sich dieses Land einmal angeschaut. Und dabei entschieden. „Hier drehe ich einen Film." Was man in „Africa Representa", so der Titel des Streifens, nicht zu sehen bekommt, ist, wie anstrengend die Dreharbeiten waren. „Die Hitze vor allem", sagt Friedl, „dort ist ja ein Drehtag nicht ein Drehtag." Fünf Stunden über Mittag sei an keine Arbeit zu denken. „Wir haben kein Thermometer mitgehabt. Aber wenn es hier in Österreich ausnahmsweise einmal 35 Grad hat, dann macht mir das keine Probleme. Dort war ich auch heilfroh, dass ich in eine Hütte flüchten habe können." Dann noch die weiten Wege. Gedreht haben Friedl und sein Kameramann häufig auch in weit abgelegenen Gegenden. „Ich weiß gar nicht wie oft unser Jeep stehen geblieben ist, weil wir wieder einen Patschen gehabt haben."

Eine Reportage als Bonus-Track

„Africa Representa" wird am Freitag, 4. Juni, im Kulturzentrum Akku, gezeigt. Beginn ist um 20 Uhr. Friedl persönlich erzählt über das Projekt und die Filmarbeiten. Im Anschluss gibt’s noch eine kurze Fernseh-Reportage über ein Hilfsprojekt, das die Stadt Salzburg in Tansania betreibt. Friedl: „Das Landesstudio in Salzburg will den Film aber nicht zeigen. Die sagen, sie hätten kein Interesse an einer Reportage, die hauptsächlich im Ausland gedreht worden ist."

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22•07