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 Moderationstext von Andrea Schurian zur Erstausstrahlung von Land ohne
Eigenschaften in den ORF-Kunststücken
Land ohne Eigenschaften von Harald Friedl ist
ein gleichermaßen verstörenden wie betörender Heimatfilm, ein Roadmovie durch das weite
Land der österreichischen Seele. Harald Friedl, Musiker und Dokumentarfilmer, sucht mit
österreichischen Literaten wie Robert Schindel, Raoul Schrott, Robert Menasse, Anna
Mitgutsch, Marianne Gruber und vielen anderen nach Hinweisen über das, was das Wesen
dieses Landes ausmacht, nach der österreichischen Identität. Friedl enthält sich jeden
Kommentars. Oder viel mehr: Sein Kommentar sind diese gerade hypnotischen, kühlen
Kompositionen und Montagen. Dieses gestochen scharfe Österreichbild, das ihm da gelungen
ist, kann nicht nur im Inland ein wichtiger Diskussionsbeitrag sein (...)
Heimat, der Ort, wo man sich nicht fremd fühlt - aber
manchmal ist das Land, in dem man geboren wurde, sehr fremd und die Fremde viel
vertrauter.
Peter Porsch in "UnderDok. Zeitung zum 44.
Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm" unter dem
Titel "SCHWARZES LOCH"
"Gleichgewicht der Zerrissenheit",
"immanente Synthese" von Widersprüchlichkeiten", das gibt es eigentlich
nur in "Schwarzen Löchern", die mit ihrer unglaublichen Schwerkraft alles in
sich aufsaugen und deshalb auch jeglicher, zumindest äußerlichen Eigenschaft entbehren.
Der Film zeigt es - ein solches "Schwarzes Loch" liegt als Land mitten in
Europa, rot-weiß-rot angestrichen , Österreich genannt. Die Schwerkraft kommt von 60
Kilogramm Mehl und Kartoffeln, 100 Kilogramm Fleisch, 85 Kilogramm Obst, 30 Litern Wein
und 111 Litern Bier, die jeder Bewohner Österreichs jährlich zu sich nimmt. Dafür
braucht er eineinhalb Stunden täglich. Zubereitet wird das Ganze in einer Küche, in die
alles hineingestürzt ist, was Nord, Süd, Ost und West an Gutem zu bieten hatten. Das
"Schwarze Loch" saugt Geschichte auf und läßt sie nur mehr als Tradition
leben. Auch die Geschichten verschwinden, was bleibt, sind die Mythen. Und die
Wirklichkeit, vom "Schwarzen Loch" gefressen, ist für die draußen Gebliebenen
nur mehr im Klischee verzerrt gespiegelt. Innen findet freilich alles auf einmal statt:
Bad Ischl ist die k.u.k. Monarchie, die Schule der Austrofaschismus und die Universität
der Austromarxismus. Das Kaffeehaus ist der einzige sichere Zufluchtsort vor dem
Österreichischen und macht zugleich seinen Kern aus. Der Film zeigt es - das Wesen des
"Schwarzen Loches" ist nur als Metapher zu erfassen: ein Punschkrapfen, außen
rosa, innen braun; neuerdings ein Mohnzelten, außen bräunlich und innen schwarz.
Tragisch zugleich und gut so. Denn kehrt sich das "Schwarze Loch" nach außen,
wird es barbarisches Kindergedicht: "Bei uns sind die Häuser noch bunt, unsere
Kinder noch g´sund, unsere Luft noch rein, unsere Gebäude noch klein, unsere Tiere noch
frei, und es bleibt auch dabei."
"Land ohne Eigenschaften" von Harald Friedl, ein
typisch österreichischer Film, in dem sich der Watschenmann selbst in die Gosche (Fresse)
haut, aber so, daß es ihm selber weniger weh tut als dem Zuschauer."
Karl Khely, Chef der ORF-KUNST-STÜCKE über
"Land ohne Eigenschaften"
"harald friedls film ist eine im besten sinne sehr
strenge, formal und visuell äußerst interessante abhandlung/bestandsaufnahme über
österreich.
(...) in dieser äußerst präzisen und gelungenen
strukturierung geht der film weit über eine herkömmliche dokumentation hinaus, er
entwickelt sich zu einer eigenen, spielerischen kunstform. (...)
von der struktur in etwa vergleichbar mit einem tollen
stück mininal music - total durch konzipiert, repetitiv und fast hypnotisierend, diesmal
nicht nur für die ohren, sondern auch fürs auge."
TV-Media
(...) ein unterhaltsamer Filmessay.
Auszüge aus einem Interview von Sabine Strobl
für die Tiroler Tageszeitung
Friedl: (...) Ein Motiv für den Film ist auch, daß
unzählige Romane und Essays über die österreichische Identität und Nicht-Identität
geschrieben werden. Dieses Thema wollte ich vom Feuilleton auf die Leinwand bringen. (...)
Das emotionale Element war in diesem Film für mich sehr wichtig. Ich wollte die Autoren
nicht in der Schreibstube zeigen. Der Film ist sehr unterhaltsam, witzig, ironisch. (...)
Die Leute lachen, wenn sie den Film sehen.
TT: Und Ihr Kommentar zur österreichischen Seele?
Friedl: Es gibt sie, weil sie behauptet wird. Medien sagen
uns, wie wir sind. So werden sozusagen offizielle Bilder Teil der Identität. Interessant
sind auch die Ich-Bilder, die in Meinungsumfragen erhoben werden. Da erscheint der
Österreicher hilfsbereit, höflich. Sie empfinden sich wegen ihrer Gemütlichkeit auch
als sympathischer als die Deutschen. Auch diese Ich-Bilder werden über die Medien
verbreitet. Ich persönlich glaube, daß in Österreich weniger Lebendigkeit und Spaß
herrschen als zum Beispiel in Italien. ich glaube auch, daß Mißtrauen und Argwohn
gegenüber Fremden verbreitet sind.
TT: Entdecken Sie auch eine positive Eigenschaft?
Friedl: Die kultivierte Skepsis ist ein sympathischer Zug
an Österreich.
(...)
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